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Karriere |
Wer sich beruflich weiterentwickeln möchte, ist hier richtig: von der Bewerbung bis zu schwierigen Entscheidungen an wichtigen Weichen des eigenen Werdegangs |
Die Autorin beschreibt eine Arbeits- und Lebensform, die zwar nicht regelrecht neu, auf Grund ihres heute häufigen Vorkommens aber sehr aktuell ist: Einen Berufsweg mit Zeiten als Angestellter und Selbstständiger, mit Phasen der Arbeitslosigkeit, Umschulung und Weiterbildung dazwischen, bei unterschiedlichen Arbeit- und Auftraggebern sowie an verschiedenen Orten (der Welt). Für Menschen mit derartiger "Arbeitsbiografie" gebraucht sie sowohl den Begriff des "Patchworkers" als auch den des "Arbeitsnomaden" oder "modernen Tagelöhners" (S. 150), also einerseits positiv klingende, andererseits eindeutig negative Bezeichnungen. Dieser begriffliche Widerspruch spiegelt die beiden Gesichter wider, die "Patchwork-Karriere" haben können. Patchworking kann auf einer bewussten Entscheidung beruhen, bei der der Patchworker – im Unterschied zum eher planlosen Job-Hopper – "ein Gesamtbild seiner Zukunft vor Augen" hat. Diese verfolgt er durch weitsichtiges Vorgehen und planmäßigen Wechsel der Tätigkeiten, bis seine "Patchwork-Karriere" in eine den eigenen Werten und Zielen entsprechende Position oder Lebensgestaltung mündet. Die andere, dunklere Seite des Patchworking ist die erzwungene, z.B. durch Entlassung, Arbeitssuche und mehrfache Neuorientierung bedingte Ausübung diverser, mehr oder weniger geliebter Jobs mit der Folge einer unsteten, Misstrauen erweckenden Vita.
Dass die erste Variante die schönere, die zweite aber die häufigere ist, spricht Autorin offen an (S. 154): "Patchwork-Karrieren entstehen meist aus einer Schicksalssituation, nur selten werden sie gezielt und bewusst gewählt. Doch sie bieten die Chance für ein erfülltes, facettenreiches Arbeitsleben. Es gilt, sich über das Ziel klarzuwerden, loszumarschieren und dabei den eigenen Königsweg zu finden." Das leuchtet ein, wird aber nicht immer machbar sein, etwa wenn Frauen und hungrige Kinder von einem Patchworker in spe abhängen.
Für den, der – freiwillig oder umständehalber – in diese buntere Arbeitswelt startet, liefert das Buch einen anschaulichen Leitfaden mit Fallbeispielen und praktischen Tipps. Zu den Themen gehören z.B. die persönliche Zielfindung, die Gestaltung des Lebenslaufes (mit Hinweis auf den europäischen Muster-CV), die Erarbeitung einer persönlichen Kompetenz-Matrix als Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche sowie "Strategie und Taktik für den Patchworker".
Den Zeiten als Angestellter, als Selbstständiger und den "Auszeiten" sind jeweils eigene Kapitel gewidmet. Dasjenige über die festen Anstellungen ist davon das umfangreichste und entspricht inhaltlich einem Bewerbungsratgeber. Die wichtigsten Empfehlungen lauten: Die Folge der Tätigkeiten und Weiterbildungen muss einem roten Faden folgen, der bei Bewerbungen deutlich zu machen ist. Und: Auszeiten und Brüche nicht etwa verschweigen, sondern Ursachen und Nutzen glaubhaft – als Bausteine der "Patchwork-Karriere" – erklären.
Das Kapitel über die Selbstständigkeit ist kurz geraten. Es skizziert die Wege dorthin (einschließlich der Frage der Finanzierung und eventueller staatlicher Hilfen) und nennt die prinzipiell möglichen Formen selbstständiger Arbeit. Das Auszeiten-Kapitel behandelt die hauptsächlichen Arten von Unterbrechungen der Berufstätigkeit, darunter die Arbeitslosigkeit durch Eigenkündigung oder Entlassung sowie geplante Zeiten ohne Erwerbstätigkeit, wie Sabbaticals, Weiterbildungen oder Familienphasen. Der Rat dazu der Autorin: "Freie Zeiten mit Aktivitäten ausfüllen, die sich im Lebenslauf gut vertreten lassen", wozu auch ehrenamtliche und gemeinnützige Tätigkeiten zählen, z.B. die Organisation von sozialen Projekten.
Das Schlusskapitel fasst noch einmal die Vor- und Nachteile, Chancen und Risiken, Anforderungen und Gefahren des Lebens als "moderner Nomade" zusammen. Auf ein Problem macht es besonders aufmerksam: Das der Entwurzelung, Vereinsamung und Heimatlosigkeit als Folge der notwendigen ständigen Mobilität. Ein technisches Hilfsmittel zum Gegensteuern: "Jeder Patchworker verfügt über sein persönliches Kommunikationsnetz via Internet, das er überallhin mitnimmt."
Gesamteindruck: Das Buch beschreibt eine schon eingetretene Entwicklung auf vielen Teilmärkten der Arbeitswelt, ist aber gleichzeitig der Zeit voraus. Warum? Die meisten von dieser Entwicklung Betroffenen sind heute noch längst nicht bereit, Lebensentwürfe und Arbeitsverhalten auf das beschriebene Nomadentum umzustellen. Der Weg zur wirklichen Akzeptanz (im Sinne praktischer Umsetzung) der Thesen von Vera Bloemer ist noch weit, ihr Buch zeichnet ihn aber anschaulich vor.
(MWonline zur Verfügung gestellt von Hansdieter Matthes) |
(hdm 29.11.2005) |
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